Welche Trage passt zu mir und meinem Kind

Welche Tragehilfen gibt es denn überhaupt?

Jedes Jahr kommen neue Modelle dazu. Der Markt ist recht unübersichtlich geworden. Ich versuche hier etwas Ordnung hineinzubringen.  Grob gesagt kann man die Tragewelt in vier Kategorien unterteilen, die ich weiter unten genauer erkläre:

– Full Buckle-Tragen (nur Schnallen und Knöpfe, ohne jegliches Binden)

– Half Buckle-Tragen (höchstens eine Schnalle, wenig Binden)

– Wrap Conversion (vorgebundene Trage, nur aus Stoff, ohne Schnallen)

– Tragetücher

Full Buckle

Buckle ist Englisch für Schnalle. Fullbuckle, sind Tragen, die komplett ohne jegliches Binden auskommen. Der grosse Vorteil ist , dass man dadurch schnell fertig ist mit anlegen. Der grösste Nachteil ist, dass man die Tragen schlechter anpassen kann. Vorallem in den ersten Monaten ist es sehr wichtig, dass das Baby eng eingebunden ist. Viele Full Buckle-Tragen bieten einen sogenannten Neugeboreneneinsatz an, wodurch man die Anhock-Spreiz-Haltung (ASH) besser hinbekommt. Straffes, gehaltenes Einbinden ist jedoch nicht möglich.

-> Ich empfehle in den ersten Monaten keine Full Buckle. Später, wenn das Kind eine gute Rückenkontrolle hat (mit ca. 6 Monaten), ist meine Lieblingstrage in dieser Kategorie die Manduca®, da man hier viele individuelle Anpassungsmöglichkeiten hat. Aber auch ErgoBaby hat inzwischen gute Modelle.

Half Buckle

Die Half Buckle-Trage ist eine vorgeformte Babytrage, die mit wenigen einfachen Handgriffen angezogen werden kann.  Diese Trage ist oft ein Mix aus Bindeelementen und Schnallen. Bei Half Buckle-Tragen kann sowohl die ASH besser gewährleistet werden, als auch das feste Einbinden, das dem Baby den nötigen Halt gibt. Für ganz kleine Babys oder Frühchen ist diese Trage allerdings nicht geeignet.

-> Hier empfehle ich eine ausgiebige Beratung und das Ausprobieren verschiedener Modelle. Wer ganz sicher gehen möchte, sollte auch hier erst ein paar Monate ins Land gehen lassen bis das Baby in sich etwas stabiler ist. Wenn man sich für eine Half Buckle entscheidet und von Anfang an Tragen möchte, muss sich diese gut an den Körper des Kindes anpassen lassen. Mein Liebling: DidyKlick von Didymos

Wrap Conversion

Die Wrap Conversion – auch kurz WrapCon – kommt dem gewebten Tragetuch am nächsten und besteht im ganzen aus Tragetuchstoff. Hüftgurt und Träger werden geknotet. Es gibt keine Schnallen, höchstens ein paar Klettverschlüsse oder Kordeln, um den Steg für die ASH gut anpassen zu können. Die Träger sind sehr breit, so dass man sie über der Schulter auffächern kann. So verteilt sich das Gewicht auf Deinen Körper besser.

-> Ein grosser Vorteil ist hier, dass diese Tragehilfe schon etwas vorgefertigt ist und gleichzeitig fast so eng gebunden werden kann wie ein Tragetuch. Nachteilig wird manchmal empfunden, dass es recht viele Handgriffe braucht bis alles sitzt, aber das ist meiner Meinung nach nur eine Frage der Übung. Mein Liebling: DidyTai

Tragetücher

Wer bereit ist ein bisschen Zeit in das Erlernen der Bindeweise(n) zu investieren, kommt mit einem Tragetuch durch alle Phasen des Tragens. Die zahllosen Bindevarianten ermöglichen es, das Tuch immer genau an den eigenen Körper und den des Babys anzupassen – egal ob vor dem Bauch, auf der Hüfte oder auf dem Rücken. Egal ob Neugeborenes oder Kleinkind.

-> Tragetücher schrecken Viele erst einmal ab, da das Binden so kompliziert aussieht. Auch spielt die Bequemlichkeit oder der Zeitdruck eine Rolle, und es wird auf eine fertige Trage zurückgegriffen. Was auch völlig okay ist. Ich möchte trotzdem  dazu ermutigen sich mal an ein oder zwei Bindeweisen heranzuwagen. Aus meiner Sicht gibt es kaum eine bessere Möglichkeit ein Baby schützend und nährend einzubinden. Gerade für die ersten Monate halte ich das Tragetuch für die beste Art des Tragens.

Neben diesen vier Hauptgruppen von Tragehilfen gibt es noch ein paar Varianten, die für sich stehen:

Der Sling

Ein Tragetuch, dass mit zwei Metallringen verbunden ist. Er ist sehr praktisch, wenn es mal schnell gehen muss und wenig Platz im Gepäck ist. Er eignet sich ideal für unterwegs, wenn das Kleinkind mal schnell für eine kurze Besorgung auf den Arm will, aber die Hände frei bleiben sollen. Oder er trägt müde Kleinkinder sicher auf den letzten Metern nach Hause, wenn die Beine einfach zu schwer sind zum selber laufen.

Der Onbuhimo – oder auch kurz Onbu, ist eine Tragehilfe ohne Bauchgurt. Er wird wie ein Rucksack getragen und kommt ursprünglich aus Japan. Der Onbu ist für Tragekinder gedacht, die schon selbstständig sitzen können.

Welche Tragehilfe soll es denn nun sein?

Meine kurzen Beschreibungen und die Übersicht helfen hoffentlich ein wenig bei der Orientierung. Am besten überlegt man sich zuerst, wieviel Zeit und Mühe man in das Erlernen des Tragens stecken möchte und wie bequem man es auch später haben möchte. Auch ist hilfreich zu wissen, ob man gleich vom ersten Tag an Tragen möchte oder das Kind bereits älter ist. Ein anderer wichtiger Punkt ist, ob man vorwiegend vorne tragen möchte, oder auch auf der Hüfte und dem Rücken.

Wenn die Entscheidung immer noch schwer fällt oder man einfach mal ein paar unterschiedliche Tragehilfen ausprobieren möchte, kommt am besten zu mir in eine Trageberatung.